« Wir brauchen mehr Zugang zu Kapital in der Schweiz »

Interview mit Lea von Bidder, President Ava Science and VP Marketing.

Wer bist Du?

Ich bin Lea von Bidder, President Ava Science and VP Marketing, 28 Jahre alt und Schweizerin, momentan aber wohnhaft in San Francisco. Vor Ava gründete ich „L’inouï“, eine Premiumschokolade und Einzelhandelskette in Bangalore, Indien. Ausserdem arbeitete ich für die Marketingabteilung von Procter & Gamble in Frankfurt wie auch für eine Strategieberatungsfirma in Paris. Ich schloss an der EMLYON Business School in Lyon, an der Zhejiang Universität in China sowie an der Purdue Krannert Universität in den USA meinen Master in globaler Unternehmensführung ab. Meinen Bachelor habe ich an der Universität St. Gallen und HEC Montréal in Kanada gemacht.

Was ist die Idee hinter Ava und wie hat sich die Firma entwickelt?

Die erste Idee zu dem Armband kam vom Mitgründer Peter Stein. Seine Frau versuchte, schwanger zu werden, und war von den bestehenden Methoden, die es zum Erkennen der fruchtbaren Tage gab, frustriert. Peter, Pascal König, Philipp Tholen und ich entschieden uns dazu, eine bessere Lösung zu entwickeln. Dabei stand von Anfang an fest, dass wir uns dabei auf unsere Erfahrungen im Bereich der Wearables, Gesundheitssensorentechnologie, Medizintechnik und Konsumgüter stützen werden. Es war und ist nach wie vor die Mission des Teams, einen Fruchtbarkeitstracker auf den Markt zu bringen, der den Bereich der Fruchtbarkeit und Reproduktionsmedizin revolutioniert. Seit Erfindung der Pille vor 70 Jahren gab es keine herausragende Neuerung mehr in diesem Segment. Die Technologie erleichtert uns das Leben auf bisher nicht gekannte Weise. Mit nur einem Tastendruck können wir ein Taxi rufen, Essen bestellen oder Fotos teilen. Doch wenn es um frauenspezifische Dinge geht, scheinen wir häufig noch im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein. Dazu gehört auch die Zyklusverfolgung. Wir haben Ava entwickelt, weil wir der Meinung sind, dass Frauen eine modernere Methode zur Verfolgung ihres Zyklus und ihrer Gesundheit in jeder Lebenslage verdienen. Sie haben ein Recht auf genaue und zuverlässige Daten über ihre Fruchtbarkeit, ihre Schwangerschaft und darüber, wie sich der Zyklus auf ihr allgemeines Wohlbefinden auswirkt. Und die bequem und unauffällig erfasst werden.

Ihr habt USD 9,7M Series A Funding 2016 geraist. Wie hast Du den Fundraising-Prozess in der Schweiz erlebt? Wieviel Funding davon kam aus der Schweiz, falls öffentlich bekannt?

In einer Seed-Finanzierung hat Ava 2,6 Millionen Dollar und in einer Serie-A-Finanzierung, angeführt von dem Venture Capital Unternehmen Polytech Ecosystem Ventures, 9,7 Millionen Dollar aufgenommen. Andere an der Finanzierung beteiligte Unternehmen sind die neuen Investoren Blue Ocean Ventures und Global Sources, sowie die Seed-Investoren Swisscom, ZKB und andere Financiers aus dem Gesundheits- und Technologiebereich. Die Finanzierung nutzt Ava für die Produktentwicklung, um so das Armband bestmöglich auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abzustimmen und die unternehmenseigene Forschung voranzutreiben; die zweite klinische Studie findet gerade statt. Ausserdem sind eine internationale Expansion wie auch der Launch in noch anderen europäischen Ländern geplant.

Du bist mehrheitlich im San-Francisco-Office von Ava. Wieviele Mitarbeitende habt ihr in der Schweiz? Und in San Francisco? Welche Rolle spielt der Standort Schweiz für euch? 

Ja genau, ich lebe seit Firmengründung und Verkaufsstart in San Francisco und bin CEO der Ava Science Inc. In der Schweiz, in der Binz in Zürich, haben wir unser Headquarter mit momentan über 45 Mitarbeitenden – viele davon im Product Development, Data Science, Kundenservice, Marketing, etc. In San Francisco sind wir mittlerweile bei circa 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, welche sich hauptsächlich auf das Marketing im amerikanischen Markt konzentrieren. Der Standort Schweiz ist wahnsinnig wichtig für uns – wir sind eine Schweizer Firma mit Schweizer Qualität. Bei einem emotionalen Produkt wie Ava ist es enorm wichtig, dass unsere Kundinnen auf uns vertrauen können. Zudem stehen wir natürlich auch ein für die Startup-Landschaft Schweiz und deren zukünftigen Erfolg. Bezeichnend finde ich z.B., dass Schweizer Startups oft auf sehr guter Technologie und Wissenschaft bauen.

Wenn Du Ava nochmals gründen könntest, würdest Du wieder in der Schweiz starten?

Auf jeden Fall.

Was könnte man am Standort Schweiz verbessern hinsichtlich Rahmenbedingungen für Jungunternehmen? 

Wir brauchen mehr Zugang zu Kapital in der Schweiz, speziell in der Wachstumsphase von Unternehmen. Gleichzeitig brauchen wir Role models – Mehr Startups und Gründer, die erfolgreiche Exits zeigen können. Zudem fehlt es uns in der Schweiz oft an Ambitionen. Role models können den Weg aufzeigen.

Was ist eure Vision für die Zukunft bei Ava?

Das Erkennen der fruchtbaren Tage ist erst der Anfang einer Reihe spannender Möglichkeiten unserer Tracking-Technologie. Das Unternehmen beabsichtigt die Weiterentwicklung des Algorithmus, damit Ava auch zur Schwangerschaftserkennung, Schwangerschaftsbegleitung und zukünftig natürlich auch als Verhütungsmittel genutzt werden kann. Entsprechende Studien mit dem Universitätsspital Zürich sind bereits im Gange.

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